Was spielt sich im Kopf ab?

Heute ging ich durch die Straßen und guckte bei dem schönen Wetter in manch verkniffenes, ernste oder sogar traurige Gesicht. Dann kam ich am Friedhof vorbei. Trauernde standen im Kreis. Der Situation angemessen gab‘s viele traurige Gesichter, die an dem schmerzlichen Verlust keinen Zweifel ließen. Andere standen schwatzend abseits. Ihre Gesichter waren entspannter als so manches Gesicht im vorher erlebten Straßengetriebe. Schönstes Wetter und warum sind im Straßengetümmel viele Gesichter weniger entspannt als die zuvor Trauernden? Trauernde hätten sagen wirklich Grund fürs unglücklich sein. Die Frage drängt sich auf, was bedrückt viele Eilende?

Gesichter der Trauernden entspannt im Straßengetümmel.

Nach gut einer Stunde fanden sich zwischen Einkaufenden einige Trauergäste wieder. Ihre fast entspannten Gesichtszüge, ähnlich wie am Feierabend eines anstrengenden Arbeitstages, erschienen teilweise offener, freundlicher als das so manchen hetzenden Konsumenten.

Was war passiert?

Trauer ist emotionale Schwerstarbeit. Sie kostet Kraft. Emotional harte Arbeit ist das. Besonders anstrengend wird die Schwerstarbeit der Gefühlsverarbeitung bei dem Verlust eines sehr nahen Angehörigen. Auch wenn die Gesichter kurzfristig entspannt wirken, Trauerphasen haben ihre eigenen Gesetze und brauchen Zeit. Es genügt nicht, sich nur abzulenken, sondern noch wichtiger sind künftige gute Gespräche. Die nachfolgende
Zeit muss also sorgfältig und strukturiert aufgearbeitet werden, mit aufmerksamen Zuhörern, Gesprächspartnern.

Die Zeit heilt alle Wunden?

Trauern zulassen, das ist zwar die Voraussetzung, doch sie sollte eingegliedert werden in offene Gespräche mit Familie und Freunden, das ist nicht neu, wird im Alltag jedoch schnellverdrängt, und schafft sich in unpassenden Situationen Luft. Gespräche sind das A und O für eine gute Trauerverarbeitung.

Das Leben ist zu kostbar, um das Lächeln zu verstecken.

Trauerlast trägt sich gemeinsam leichter und ist für die Seele gesünder. Nicht abschotten, sondern sich danach dem
Leben wieder zuwenden, fällt manchmal sehr schwer. Wenn dann Freunde nicht aufmuntern, aus dem Schneckenhaus zu kriechen, helfen manchen, wenn sie wissen: Verstorbene wollen für Ihre Hinterbliebenen:

Lebt Euer Leben, wie ich es gelebt habe. Entspannt freundliche Gesichter sind der beste Beweis für Lebenslust.

Sich einfach mit Euphorie in die laute Ablenkung stürzen oder dem Konsumrausch mit blindem Aktionismus verfallen, das weiß fast jeder, das hilft nicht wirklich. Es kann sogar gefährlich werden.

Klären und verarbeiten, das ist noch wichtiger als Zeit. Doch wie?

Patentlösungen gibt es nicht, aber aufmerksame Zuhörer, als Teil zur Trauerhilfe, um gemeinsam die Untiefen der Trauer zu verarbeiten. Trauer verstecken, verdecken ist keine Lösung. Nur wer redet, dem kann geholfen werden, im Kreise guter Zuhörer. Das können auch professionelle Kräfte sein. Schöne Zeiten verleben, mit Lebenslust, Hoffnung das gibt immer wieder Halt im Leben und eröffnet neue Perspektiven. Es lohnt sich, sein Leben in die Hand zu nehmen.

Hilfe einzufordern ist Stärke!

Das ist nicht nur ein Spruch, der verhallt. Er ist Aufforderung, sein Schicksal aktiv so zu gestalten, dass jeden Tag auf der Bühne des Lebens das freundliche offene Lächeln eine Selbstverständlichkeit ist.

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