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Alles richtiggemacht

(Namen geändert)

Wie viel Spielraum gibt es, eine Bestattung zu einem sehr persönlichen Ereignis zu machen? Eine Möglichkeit ist es, den Sarg des Verstorbenen selbst zu bemalen. Das wird von Bestattungsunternehmen angeboten. Mona (49) aus Köln hat sich mit ihrer Familie dafür entschieden und berichtet von ihrer Erfahrung.

Für Mona lag es als Künstlerin nahe, dieses Angebot nach dem Tod ihres Vaters in Anspruch zu nehmen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und zwei Töchtern (13 und 10 Jahre alt) fand sie Unterstützung bei einer aufgeschlossenen Pastorin, die die Idee von Anfang an prima gefunden habe, berichtet Mona. „Sie nutzte die Möglichkeit, um die Kinder gezielt anzusprechen und auf die Aktion Bezug zu nehmen.“

Etwas überraschend für die Familie war, dass der Verstorbene zum Zeitpunkt der Bemalung im Sarg lag. „Erst im Gespräch stellte sich heraus, dass die Einbettung sofort im Sarg erfolgt war. Mit den Kindern zusammen haben wir dann entschieden, die Aktion trotzdem zu probieren. Da wir den Raum und die konkrete Situation nicht kannten, haben wir vereinbart, dass jeder nach Hause fahren kann, wenn es notwendig ist,“ so Mona. Im Nachhinein sei aber gerade dieser Umstand umso bereichernder gewesen, weil sich alle dem geliebten Vater und Opa noch einmal sehr nahe gefühlt haben. „Es waren zwei tolle Stunden, in denen wir uns mit dem Opa unterhalten haben und es sich gut anfühlte, ihn nochmal in unserer Mitte zu wissen.“ Der lockere und aktive Umgang mit der Situation habe alle zunehmend befreit. „Es fühlte sich zwar verrückt, aber sehr wohlig an, in der Kälte zu stehen und sich mit Farben und Pinsel ans Werk zu machen.“

Für die Gestaltung hatte das Beerdigungsinstitut der Familie einen Raum zur Verfügung gestellt, wo der Sarg erhöht stand, so dass alle Familienmitglieder bequem um ihn herumgehen und von allen Seiten erreichen konnten. Im Vorfeld war zwischen Eltern und Kindern nichts abgesprochen oder entworfen worden, vielmehr ging es ihnen darum, spontan den Gefühlen freien Lauf und die Kreativität fließen zu lassen. Mona hatte verschiedenste Materialen eingepackt: Farben, Pinsel, Stifte und Kordel und Sterne aus Pappe vorbereitet.

Bedenken hatte vor allem die ältere Tochter gehabt, sie überraschte am Ende ihre Mutter, indem sie in stoischer Ruhe den Sarg von Opa ringsum mit vielen kleinen Herzen und Blumen verzierte. Mona berichtet: „Schnell fanden sich Motive. Unsere Jüngste malte Sonnen, weil der Opa ja immer so gerne in der Sonne gelegen hatte, ich entschied mich für Schiffe, da mir gemeinsame Urlaube am Meer in den Sinn kamen, die Motive entwickelten sich somit schnell von ganz allein.“ Auf den Sarg haben am Ende alle noch ihre Handabdrücke hinterlassen. Zusammenfassend sagt Mona: „Wir trauerten, aber wir freuten uns auch über ein langes und erfülltes Leben. Dem Tod nicht erstarrt, sondern aktiv zu begegnen, war gerade auch für die Kinder eine gute Entscheidung und nahm allen auch die Angst vor dem eigentlichen Beerdigungstag. Nach der Bemalung sind wir alle sehr zufrieden nach Hause gefahren.“

Auch die Pastorin habe sich erfreut an der Andersartigkeit der Atmosphäre am Tag der Trauerfeier gezeigt, dieser sei zu einer sehr persönlichen Feier geworden, berichtet Mona weiter. Für sie seien auch die Berührungsängste für die Kinder mit dem Thema Tod geringer gewesen. Am Tag der Trauerfeier erhielten auch die Gäste Gelegenheit für eine persönliche Note: Sie konnten dem Verstorbenen einen Gruß oder Gedanken mitgeben – aufgeschrieben auf einen Stern aus Pappe und mit einer Wäscheklammer an einer Kordel befestigt, die rund um den Sarg angebracht war. „Das haben auch tatsächlich alle gemacht und dann Hand in Hand um den Sarg standen,“ sagt Mona. „Da hatten wir das Gefühl, es genau richtig gemacht zu haben und waren uns sicher, dass es unserem Opa so gefallen hat.“

Von dieser eher ungewöhnlichen Art der Trauerfeier zeigten sich einige Trauergäste überrascht, berichtet Mona, durch den natürlichen Umgang mit der Situation aber gleichzeitig auch ein bisschen erleichtert. Beim Kaffeetrinken gab es dann von vielen positive Rückmeldung. Außerdem sei sofort ein Gesprächsanlass gegeben gewesen.

 

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